In der Rhön ist das Birkhuhn seit langer Zeit Leitart eines einzigartigen Kulturlandschaftsmosaiks.

Besonders das Naturschutzgebiet „Lange Rhön“ und die angrenzenden Flächen rund um das Rote Moor erinnern an eine Zeit kleinbäuerlicher Landwirtschaft, die eigentlich längst Geschichte ist.

 

Hier schildern Georg Sauer vom Biosphärenreservat Rhön und Torsten Kirchner, Wildland-Stiftung Bayern, die vorläufigen Ergebnisse nach einem 5-jährigen Auswilderungsprojekt mit schwedischen Wildvögeln.

Berg-Mähwiesen, Moore, Steinrücken und Pioniergehölze bieten strukturierte und

geeignete Lebensräume für eine Vielzahl gefährdeter Offenlandlarten in der Hochrhön.

 

Es brüten rund 40 Bekassinenpaare, 35 Braunkehlchen und mehr als 200 Wiesenpieper.

Auch letzte Brutvorkommen des Raubwürgers finden sich im Gebiet.

 

DerVertragsnaturschutz und umfangreiche Pflegemaßnahmen stellen seit Jahren die Biotopqualität auf hohem Niveau sicher. Das Birkhuhn findet in diesem Nutzungsmosaik ein reiches Angebot an Nahrungspflanzen und eiweißreiche Insektennahrung für die Jungenaufzucht, ebenso sichere Nestplätze am Boden sowie übersichtliche „Arenen“ für die spektakuläre Balz.

 

In den vergangenen 50 Jahren ist das Birkwild in der Hochrhön drastisch zurückgegangen.

Ende der 1960er Jahre balzten etwa 300 Hähne auf ca. 12.000 ha in der Hochrhön. Durch

Fichtenaufforstungen bis Mitte der 1960er Jahre ist der geeignete Lebensraum deutlich

kleiner geworden, heute finden sich dort weniger als 15 Hähne.

Es besteht somit akute Aussterbegefahr.

 

Das Problem war seit ca. 2005 vor allem die mangelnde Reproduktionsfähigkeit der Raufu.hühner, die die kleine Population an den Rand des Aussterbens brachte. Das kann verschiedene Ursachen haben:

 

Verluste bei Gelegen und Küken durch Beutegreifer, schlechte Kondition der Hennen, geringe Qualität oder Verfügbarkeit an Kükennahrung, Zufallsereignisse, Wetter und Umwelteinflüsse.

 

Der Einfluss einer möglichen Inzuchtdepression kann vermutet aber nicht bewiesen werden.

 

Zum Schutz des Birkwildes werden viele Maßnahmen durchgeführt, die eine hohe

Strukturvielfalt bewirken. Beispielsweise gehören dazu: die Räumung von Fichtenriegeln

zum Erhalt der offenen Landschaft, mosaikartige Bewirtschaftung der Bergwiesen mit

unterschiedlichen Mahdzeitpunkten, Besucherlenkung, um störungsarme Habitatbereiche

zu erhalten, Prädatorenkontrolle zur Verminderung der Fressfeinde und vieles mehr.

 

All diese Maßnahmen zum Schutz des Birkhuhns in der Rhön dienen grundsätzlich der

biologischen Vielfalt. Viele Tier- und Pflanzenarten hier stehen auf der Roten Liste und

sind in Bayern und Hessen vom Aussterben bedroht. Die Wildland-Stiftung trägt im Biosphärenreservat Rhön also mit dem Birkwildprojekt zugleich zum Erhalt eines „Hotspots“ der Biodiversität bei.

 

Davon profitieren zum Beispiel Wachtelkönig, Karmingimpel, Raubwürger,

Wiesenpieper, Bekassine oder auch Orchideen und Arnika.

Nach über 30 Jahren Landschaftspflege wurde in der Hochrhön viel erreicht:

• Die Lebensräume wurden deutlich verbessert.

• Die Störungen sind zwar noch ein Problem, wurden aber durch Besucherlenkung und

-information deutlich reduziert.

• Der Feinddruck wird durch ein ausgefeiltes Jagdkonzept und durch den Aufbau eines

effizienten Bejagungssystems auf Raubwild gesenkt.

Durch eine genetische Studie im Jahr 2008 konnte belegt werden, dass die genetische

Varianz der Rhöner Birkhühner stark eingeschränkt war. Nachdem anschließend eine Machbarkeitsstudie zu den „Erfolgsaussichten einer Bestandesstützung für das Birkhuhn in der Rhön“ angefertigt wurde, konnte eine Genehmigung für den Wildfang in Schweden beantragt und vom dortigen Zentralamt für Naturschutz (Naturvardsverket) bewilligt werden.

Zwischen 2010 und 2016 wurden insgesamt 55 Hähne und 38 Hennen aus Mittelschweden

ausgewildert, 48 Birkhühner wurden besendert.

 

Finanziert und durchgeführt wurden die Auswilderungen durch die Wildland-Stiftung Bayern, den Birkwildhegeringen Hessen und Bayern sowie die Hessische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön.

 

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Mehr als 50 Prozent der Hähne und rund ein Drittel der Hennen konnten sich etablieren. Die erste Reproduktion mit schwedischen Birkhühnern fand im Jahr 2013 statt, weitere erfolgreiche Bruten in den Jahren 2014 bis 2016.

 

Die schwedischen Birkhühner akzeptieren den Lebensraum in der Rhön, nehmen an der Balz teil und können sich so als Genspender in ausreichender Zahl etablieren. Die Überlebensraten der Wildfänge sind deutlich höher als bei ausgewilderten Volierenvögeln.

 

Auch die Lebensräume in Hessen, vor allem das Rote Moor, wurden durch die ausgewilderten Vögel genutzt, nachdem es in Hessen bereits verschwunden war. Diese Ergebnisse wurden durch Radiotelemetrie von ca. 50 % der ausgewilderten Vögel ermittelt. Weitere spannende Ergebnisse zur Lebensraumnutzung der Birkhühner könnten in den Folgejahren bei intensivierter Telemetrie gewonnen werden, denn das Auswilderungsprojekt geht weiter.

Das Birkwild ist eine Leitart für die biologische Vielfalt in der Hochrhön. Das bedeutet:

Seine Ansprüche an den Lebensraum sind so vielschichtig und hoch, dass andere Arten

in gleicher Weise von den Maßnahmen profitieren.

Georg Sauer, Ranger Biosphärenreservat

Torsten Kirchner, Gebietsbetreuer

Geschäftsstelle J.G.V.

Tonkaute 8

36041 Fulda-Johannesberg

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