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Jagen mit dem Wolf

25.09.2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fredersdorf, Brandenburg

 

Dies ist die Mitschrift eines Referats, das vom Jagdverband Märkisch-Oderland (JV-Mol) organisiert wurde.

 

Herr Enno Elsholz, seines Zeichens seit 25 Jahren Förster und seit einigen Jahren auch zuständig für das Revier auf dem 7.500 Hektar großen Truppenübungsplatz Lehnin in der Nähe von Potsdam, referierte über das oben genannte Thema. Es ging im Speziellen um das Jagdrevier Zauche, in dem seit einigen Jahren der Wolf heimisch geworden ist. Sein gesamtes Revier besitzt eine Jagdfläche von 41.533 ha. Das am stärksten vorkommende Wild ist Damwild.

 

 

Wolfsbestätigungen, und hier sind C1-Nachweise gemeint, gibt es heute im Land Brandenburg bei Müncheberg, Freienwalde und im Oderbruch. In der Summe sind momentan 200 Wölfe in Brandenburg nachgewiesen.

 

Im Jahr 2008 wurde die Anwesenheit von Wölfen in der Zauche das erste Mal vermutet. Konkrete Belege gab es aber zu dieser Zeit noch nicht. Allerdings fielen die Streckenzahlen bei Dam-, Reh- und Schwarzwild seit 2010. Am 9.12.2012 wurde das erste Mal ein Wolf duch die Aufnahme einer Wildkamera bestätigt.

 

 

Das Damwild-Vorkommen liegt im Zentrum des Jagdgebietes. Wie mittlerweile bestätigt ist, liegt hier auch das Zentrum des Wolfvorkommens. Diese Konstellation erklärt die Beobachtungen der letzten Jahre, die Förster Elsholz machen konnte.

 

Bis 2013 wurde in seinem Revier eine strukturierte Intervalljagd durchgeführt. Vor der Anwesenheit des Wolfes auch immer mit guten Ergebnissen. Diese Jagdform mußte aber, bedingt durch die Anwesenheit von Wölfen, aufgegeben werden.

 

Bevor es weiter ins Detail geht, hier kurz, zum besseren Verständnis,  ein paar Fakten zu den Wölfen in der Zauche. Es handelt sich um ein Rudel mit 15-20 Wölfen. Während die Elterntiere jagen, ziehen die Jährlinge den Nachwuchs auf. Die Wölfe schnüren in der Nacht 15-20km, kehren aber immer zurück zum Rudel, in den sogenannten Rendezvous-Bereich. Dieser liegt im Zentrum des Truppenübungsplatzes Lehnin. Die Wölfe lieben die breiten Sandflächen in diesem Gebiet.

 

Wie reagierte nun das Wild auf die Anwesenheit der Wölfe?

 

In den Jahren 2010 und 2011 wurde folgendes beobachtet:

- Das Damwild bildete ab 2010 in diesem zentralen Gebiet ganzjährig Großrudel

- Zudem wurde in 2011 beobachtet, daß die Gesäuge der Schmaltiere trocken waren

- Nachwuchs war in diesem Jahr nicht mehr zu verzeichnen

- Spießer, wenn vorhanden,  kamen aus anderen Revieren.

- Das Schwarzwild bildete große Rottenstärken

- Der Rehwildbestand wuchs ab 2011. Die Rehe arrangierten sich sehr schnell mit den Wölfen und nahmen nun Einstände ein, die vormals vom Damwild belegt waren.

 

Ab 2012 gab es dann wieder Damwildkälber und normale Rudelstärken. Allerdings setzen seitdem die Damtiere nur an der Peripherie des Gebietes und die Kälber „kleben“ förmlich an den Muttertieren. Sie sind niemals unbegleitet anzutreffen. Nach einer Gewöhnungsphase von 2 Jahren arrangierte sich das Damwild mit den Wölfen.

 

Trotz der erfolgen Gewöhnung, fielen die Strecken beim Damwild weiter. Die Rehwildstrecke geht seit 2014 leicht nach oben. Auch der Verbiß nimmt seit 2014 wieder zu. Interessanterweise explodierte die Schwarzwildstrecke im Revier förmlich.

 

Um den Verbiß einzudämmen, wurde die bis dato gültige Intervalljagd in eine ganzjährige Jagd umgewandelt, um die Rehwildpopulation in den Griff zu bekommen.

 

Um eine Erklärung für die immer noch fallende Strecke beim Damwild zu finden, wurde eine gezielte Untersuchung der Wolfslosung vorgenommen. Sie sollte Aufschluss geben, wie hoch der jährliche Anteil des Damwildes an der Wolfsbeute ist.

 

Die Untersuchung ergab eine Zahl von etwa 150 Stück Damwild, die durch das Wolfsrudel im Laufe eines Jahres gerissen wurden. Zudem fiel auf, daß seit 2 Jahren, also seit 2014, kaum noch Rißreste zu finden sind. Dafür finden sich aber Knochenteile in der Losung der Wölfe. Die gerissenen Stücke werden nun komplett gefressen.

 

Es wurde bei den Untersuchungen auch herausgefunden, daß Wölfe sich durchaus an das Schwarzwild wagen. Allerdings beschränken sie sich bei dieser Beute auf Frischlinge  und Sauen bis Überläufergröße.

 

Nun zeigte sich aber noch eine vollkommen andere Problematik bei der Jagd mit dem Wolf und diese betraf den Einsatz von Jagdhunden. Normalerweise wurden 3-4 Hunde pro 100ha eingesetzt. In den Jahren 2012 bis 2015 kamen aber nur noch 1-2 Hunde - oder sogar noch weniger - pro 100ha zum Einsatz. Es fehlten Hunde bei der Jagd.

 

Die Begründung dafür war anfänglich schwer herauszufinden, aber letztendlich einfach: Die Hundeführer hatten Angst um Ihre Hunde. Es herrschte der Satz „Wo der Wolf ist, brauchst Du keinen Hund einzusetzen!“ vor. Daher kamen die Hundeführer nicht mehr ins Revier.

 

Wie reagieren die Hunde auf die Anwesenheit des Wolfes?

Beobachtet wurden 3 Verhaltensweisen:

- Manche Hunde folgen bei Nachsuchen stur der Wolfsspur

- Manche Hunde weichen zurück, sobald sie den Wolf wittern

- Manche Hunde ignorieren die Anwesenheit des Wolfes vollkommen

 

 

Um eine sinnvolle Lösung für alle Beteiligten zu finden, wurde ein neues jagdliches

Konzept entwickelt, daß sich seit einiger Zeit gut bewährt. Es trägt der Tatsache Rechnung, daß der Wolf normalerweise den Menschen und Hunden ausweicht.

 

 

 

 

- Auf dem Truppenübungsplatz werden nun 2 Jagden pro Jahr durchgeführt

- Die Anzahl der vom Stand geschnallten Hunde (Stöberhunde) wurde erhöht

- Allerdings bleiben die Hunde die erste halbe Stunde nach Beginn der Jagd an der Leine

- Ebenso kommen mehr Menschen zum Einsatz (ca. 100 Jäger)

- Derart beunruhigt weicht der Wolf aus

- Erst dann, also nach einer halben Stunde, werden die Hunde geschnallt

- Es wird darauf geachtet, daß möglichst nur kurz-jagende Hunde  (also mit ca. 1km Aktionsradius) zum Einsatz kommen

 

Durch diese Arte der Bejagung nimmt nun die Strecke für Dam- und Rehwild wieder zu. Zudem werden gute Schwarzwildstrecken erzielt (100 Jäger -> 50 Sauen).

 

Die weitere Entwicklung der Jagd mit dem Wolf, insbesondere dessen Vermehrung, wird in der Zauche auch weiterhin intensiv beobachtet. 

 

Uwe Wagner, Fredersdorf im September 2016

 

 

Bildquellen:

 

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